
Bornholm ist der einzige Ort in Dänemark, an dem man auf natürlichem Fels klettern kann. Die Insel bietet rund 1000 Kletterrouten auf Gneis und Granit – von einfachen Wegen in Steinbrüchen über Bouldern auf Findlingen bis hin zu Mehrseillängenrouten an Seeklippen von bis zu 75 Metern Höhe. Wer eine ungewöhnliche Kombination aus Klettern, Strand, gegrilltem Fisch und Ostsee-Sonnenuntergang sucht, ist auf Bornholm genau richtig.
Der größte Teil Dänemarks ist flach wie ein Tisch. Bornholm ist die Ausnahme – der Untergrund der Insel besteht aus einigen der ältesten Gesteine Skandinaviens, über eine Milliarde Jahre alt. Granitklippen am Meer, jahrhundertealte Steinbrüche und Gneiswände in bewaldeten Tälern bilden einen natürlichen Kletterpark, mit dem keine andere Region Dänemarks konkurrieren kann.
Dazu kommen praktische Vorteile: die kompakte Größe der Insel (von jedem Punkt erreicht man jedes Klettergebiet in weniger als 30 Minuten), das milde Klima, das Klettern von April bis Oktober und oft auch im Winter ermöglicht, sowie die touristische Infrastruktur – Unterkünfte, Campingplätze und Häfen mit Restaurants in der Nähe der besten Felsen.
Auf Bornholm kann man drei Hauptdisziplinen des Kletterns ausüben – jede in einem etwas anderen Gelände und mit anderen Anforderungen.
Routen mit fest installierten Bohrhaken in den Steinbrüchen Moseløkken und Ringebakkerne. Über 100 gebohrte Routen. In Moseløkken dürfen neue Routen gebohrt werden – der einzige solche Ort auf der Insel. Wände bis 60 m.
Klassisches Klettern mit eigener Absicherung an Seeklippen und natürlichen Felswänden. Keine Bohrhaken – man verwendet Klemmkeile, Friends und natürliche Sicherungspunkte. Erlaubt an allen Seeklippen (mit Ausnahme saisonaler Sperrzonen). Die längste Route ist 75 m.
Klettern ohne Seil an niedrigen Felsblöcken und Formationen. Viele Boulderprobleme warten noch auf ihre Entdeckung. Ideal für kurze Sessions und zum Kennenlernen des Gesteins.
Die meisten Kletterrouten konzentrieren sich an der Nord- und Ostküste, aber interessante Spots finden sich auch im Inselinneren. Im Folgenden die sechs bekanntesten Gebiete.
Aktiver Granitsteinbruch im Norden der Insel – der wichtigste Ort für Sportklettern auf Bornholm. Über 100 gebohrte Routen verschiedener Schwierigkeitsgrade, Wände bis 25 m. Dies ist der einzige Ort auf der Insel, an dem neue Routen gebohrt werden dürfen. Klettern ist an Wochenenden, Feiertagen, in den Ferien und an anderen Tagen erlaubt, an denen kein Granit abgebaut wird – an Werktagen ist äußerste Vorsicht geboten (Maschinen, Sprengstoff).
Der Steinbruch Vang an der Nordwestküste mit imposanten Wänden und Meerblick. Neben dem Steinbruch erstreckt sich das Gebiet Vang-Syd mit Seeklippen – traditionelles Klettern (ohne Bohrhaken) am Naturfels. Hinweis: Die Seeklippen in diesem Gebiet sind während der Vogelbrutsaison gesperrt (1. Februar – 15. August).
Alter Steinbruch an der Nordspitze der Insel mit dem charakteristischen türkisfarbenen See (Opalsøen). Hohe Wände, ideal für traditionelles Klettern und Abseilen (Rappelling). Bohrhaken sind hier verboten. Einer der fotogensten Kletterorte Dänemarks.
Eine enge, tiefe Felsspalte an der Ostküste – einer der markantesten geologischen Orte Bornholms. Die Wände der Spalte erreichen 20 m Höhe. Ein großartiger Ort für traditionelles Klettern mit dem gleichzeitigen Erlebnis der rauen, dramatischen Geologie der Insel.
Waldtal und Seeklippen am äußersten Norden der Insel – eines der wildesten Klettergebiete. Lindesdal Hovedvæggen und Lillevæggen sind zwei der fünf offiziell für Klettern mit Ausrüstung zugelassenen Stellen auf Naturstyrelsen-Gelände. Ørnebjergkysten (Adlerbergküste) bietet spektakuläre traditionelle Routen mit Blick aufs offene Meer.
Granitklippen im Norden Bornholms – die einzigen natürlichen Kletterwände Dänemarks
Klettern auf Bornholm bedeutet außergewöhnliche Freiheit, doch es gelten konkrete Vorschriften. Ihre Einhaltung schützt die einzigartige Umwelt der Insel und gewährleistet die Sicherheit.
Vom 1. Februar bis 15. August ist das Klettern in mehreren Seeklippen-Gebieten wegen der Vogelbrut verboten: Mulekysten (Vang – Hammershus), Kælderbakken (westlich des Leuchtturms Hammeren), Kongestolen (nördlich von Hammerhavn) sowie ein Abschnitt von Vangbruddet (Schutz des Wanderfalken – ganzjährig gesperrt).
Klettern ist verboten an: Helligdomsklipperne, der Ruine Hammershus und dem Teil von Ekkodalen, der zu Naturstyrelsen gehört. Darüber hinaus besteht in Klippeløkken Stenbrud ein vollständiges Kletterverbot.
Klettern mit Seilen, Klemmkeilen und anderer Sicherungsausrüstung auf Naturstyrelsen-Gelände erfordert eine vorherige Anmeldung und Genehmigung. Friklatring (ohne Ausrüstung) in Gruppen bis 5 Personen – ohne Anmeldung. Gruppen über 5 Personen benötigen eine Genehmigung.
Das Bohren neuer Routen ist ausschließlich in Moseløkken Stenbrud und im größten Teil von Ringebakkebruddet erlaubt. An allen Seeklippen, Naturfelsen, in Hammerbruddet und Bjergbakkebruddet – Bohrverbot. Nur traditionelles Klettern.
Auf Bornholm gibt es 18 offizielle Klettergebiete. Nachfolgend die vollständige Liste mit Nummern entsprechend der Karte im Führer „Bornholm on the Rocks" und GPS-Koordinaten.
| # | Gebiet | GPS |
|---|---|---|
| 01 | Jons Kapel | N55.23201, E014.71976 |
| 02 | Almeløkkebruddet i Ringedalen | N55.23766, E014.73212 |
| 03 | Vang-Syd | N55.24238, E014.72901 |
| 04 | Vangbruddet | N55.24377, E014.73427 |
| 05 | Hammershusområdet | N55.26213, E014.74773 |
| 06 | Hammeren i Ørnebjergkysten | N55.28756, E014.75280 |
| 07 | Hammerbruddet | N55.28426, E014.76181 |
| 08 | Moseløkken Stenbrud | N55.27363, E014.77699 |
| 09 | Lundegårdsbruddet | N55.25503, E014.80968 |
| 10 | Stammershalle | N55.24085, E014.86453 |
| 11 | Røstad | N55.22084, E014.91204 |
| 12 | Gudhjemområdet | N55.20955, E014.97750 |
| 13 | Randkløve | N55.17193, E015.03998 |
| 14 | Svaneke | N55.13958, E015.13921 |
| 15 | Årsdale | N55.11213, E015.14384 |
| 16 | Svenskehavn | N55.08776, E015.15387 |
| 17 | Paradisbakkerne | N55.09936, E015.08865 |
| 18 | Bjergebakkebruddet | N55.11953, E014.83012 |
Auf Bornholm kann man das ganze Jahr über klettern, aber die beste Saison ist April bis Oktober. Ein milder Frühling, warmer Sommer und goldener Herbst bieten komfortable Bedingungen. Der Fels trocknet dank der windigen Lage der Insel schnell nach Regen.
Im Winter fällt die Temperatur selten unter –5°C, sodass an trockenen Tagen Klettern möglich ist. Unter außergewöhnlichen Bedingungen bilden sich sogar gefrorene Wasserfälle für Eisklettern – aber das ist eine Option für Erfahrene und entsprechend Ausgerüstete.
Die wichtigste Informationsquelle über Routen ist das Buch „Bornholm on the Rocks" (über 400 Seiten) von Karsten Kurz – einem deutschen Kletterer, der seit Jahren die Felsen Bornholms erforscht. Der Führer enthält Routenbeschreibungen, Fototopos, Anfahrtskarten und Informationen zum Zugang der einzelnen Gebiete. Aktualisierungen neuer Routen und Gebiete werden auf der Website des Verlags und in der Facebook-Gruppe Bornholm Climbing Guide veröffentlicht.
Jährlich findet auf der Insel auch das Festival „Bornholm on the Rocks" statt – das größte Klettertreffen Dänemarks, das 5 Tage dauert, mit Workshops, Vorträgen und gemeinsamen Sessions am Fels. Das erste Festival fand 2011 statt und zieht über 100 Teilnehmer an.
Auf Bornholm bieten lokale Instruktoren Kletter- und Abseilkurse für Anfänger sowie geführte Sessions für Gruppen an. Die beliebtesten Ausflüge finden an den Klippen von Hammerknuden statt. Wer noch nie an Naturfels geklettert ist – Bornholm ist einer der besten Orte für den Einstieg: Granit bietet viele gute Griffe, und die Instruktoren kennen das Gelände bestens.
Die meisten Klettergebiete befinden sich im Norden der Insel – in der Nähe von Sandvig, Allinge und Gudhjem. In diesen Orten gibt es Campingplätze, Gästezimmer, Ferienwohnungen und Hotels. Wer mehrtägiges Klettern plant und die Kosten minimieren möchte – Shelter und kostenlose Zeltplätze sind eine beliebte Option unter Kletterern, die die Insel besuchen.