
Von den frühesten Siedlungen über die Zeit der Wikinger und mittelalterliche Festungen bis hin zu den dramatischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts bildet die Vergangenheit Bornholms eine faszinierende Kulisse für die heutige, gastfreundliche Insel. Geschichte ist hier nicht auf Museen beschränkt – sie lässt sich in der Landschaft, der Architektur und im alltäglichen Lebensrhythmus wiederentdecken.
Wir laden Sie ein zu einer Reise durch die Vorgeschichte, die Wikingerzeit, mittelalterliche Festungen und Kirchen, die Epoche der Fischer und Steinmetze bis hin zum Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg – und zeigen, wie Geschichte hier in harmonischem Einklang mit der Gegenwart lebt.
Die Geschichte Bornholms reicht bis in die Zeit zurück, als nach dem Rückzug der Gletscher die ersten Siedler auf die Insel kamen. Sie lebten im engen Einklang mit der Natur und nutzten die Ressourcen des Meeres, der Wälder und des felsigen Geländes. Bis heute sind Felsritzungen erhalten geblieben – in Stein gemeisselte Symbole von Sonne, Booten und Menschen, die zu den ältesten Kulturdenkmälern im Ostseeraum zählen.
Einer der bedeutendsten Orte dieser Epoche ist Rispebjerg, ein weitläufiges archäologisches Gebiet im zentralen Teil der Insel. In der Stein- und Bronzezeit war es ein wichtiges Kultzentrum. Hier wurden Steine mit eingravierten Sonnensymbolen und rituellen Zeichen entdeckt, die von den Glaubensvorstellungen der damaligen Bewohner zeugen.
Heute ist Rispebjerg ein ruhiges Spaziergebiet mit Informationstafeln – ideal für eine erste Begegnung mit der Geschichte Bornholms. Die Stille und die natürliche Umgebung lassen die spirituelle Bedeutung dieses Ortes vor Tausenden von Jahren lebendig werden.
In der Wikingerzeit gewann Bornholm durch seine Lage an der Kreuzung wichtiger Ostsee-Schifffahrtsrouten an Bedeutung. Die Insel diente als Anlaufstelle, Handelsplatz und Ort des kulturellen Austauschs. Archäologische Funde – Münzen, Schmuck und Waffen – belegen intensive Kontakte zu anderen Regionen Skandinaviens und Europas.
Auch wenn keine monumentalen Wikingersiedlungen erhalten geblieben sind, ist ihre Präsenz in Museen und in der lokalen Geschichtserzählung deutlich spürbar. Dies ist der ideale Moment, um die maritime Identität der Insel und ihre Rolle in der Geschichte der Ostsee zu verstehen.
Das bekannteste Wahrzeichen Bornholms ist Hammershus – eine monumentale Festung aus dem 13. Jahrhundert, errichtet auf steilen Klippen im Norden der Insel. Ihre mächtigen Mauern ragen über die Ostsee und erinnern an eine Zeit, in der Bornholm Gegenstand politischer und militärischer Auseinandersetzungen war.
Über Jahrhunderte hinweg war Hammershus das Machtzentrum der Insel. Die Festung war Schauplatz von Konflikten zwischen den Königen Dänemarks und den Erzbischöfen von Lund, von Belagerungen, Verrat und Machtwechseln, die das Schicksal Bornholms prägten.
Heute sind die Ruinen von Hammershus hervorragend für Besucher erschlossen. Markierte Wege führen durch ehemalige Tore, Wehrmauern und Höfe. Ein Rundgang durch die Festung ist zugleich eine Geschichtsstunde und ein eindrucksvolles Naturerlebnis – von den Mauern aus eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf das Meer, die felsige Küste und die Wälder Nordbornholms.
Zu den charakteristischsten Elementen der mittelalterlichen Landschaft Bornholms zählen die Rundkirchen. Sie entstanden im 12. und 13. Jahrhundert und erfüllten nicht nur religiöse, sondern auch defensive Funktionen – ihre massiven Mauern und kleinen Fenster boten Schutz in unruhigen Zeiten.
Das bekannteste Beispiel ist die Østerlars Rundkirke, die grösste Rundkirche der Insel. Ebenfalls sehenswert ist die Nylars Rundkirke, die für ihre gut erhaltenen mittelalterlichen Wandmalereien bekannt ist.
Für heutige Besucher sind diese Kirchen ein einzigartiges Zeugnis dafür, wie sich Alltag, Glaube und Sicherheitsbedürfnis im mittelalterlichen Bornholm miteinander verbanden.
Über Jahrhunderte beruhte das tägliche Leben der Bewohner Bornholms auf zwei Säulen: dem Meer und dem Stein.
Die Fischerei war seit jeher die Grundlage der lokalen Wirtschaft. Häfen, Räuchereien und Fangtraditionen prägten den Charakter von Orten wie Rønne und Nexø. Bis heute ist der geräucherte Hering eines der kulinarischen Wahrzeichen der Insel, und viele ehemalige Räuchereien dienen heute als Restaurants oder Museen.
Der zweite grosse Reichtum der Insel war Granit. Steinbrüche, insbesondere im Norden Bornholms, lieferten Material für Hafenanlagen, Strassenbau und Architektur. Granitblöcke aus Bornholm wurden auch ausserhalb der Insel verwendet, und die raue, felsige Ästhetik prägt bis heute Landschaft und Bebauung.
Die Geschichte Bornholms während des Zweiten Weltkriegs ist einzigartig. Im Mai 1945 wurde die Insel bombardiert, und die Städte Rønne und Nexø erlitten schwere Zerstörungen. Der Wiederaufbau nach dem Krieg verlieh ihnen ein moderneres Erscheinungsbild, das in der Architektur bis heute sichtbar ist.
Bornholm war der einzige Teil Dänemarks, auf dem nach dem Krieg sowjetische Truppen stationiert waren. Die Rote Armee blieb bis 1946 auf der Insel, was die Nachkriegsatmosphäre und die spätere strategische Bedeutung Bornholms nachhaltig beeinflusste.
Aufgrund seiner Lage sollte Bornholm zu einer wichtigen Militärbasis werden. Spuren dieser Pläne finden sich unter anderem in der Umgebung von Dueodde, wo zwischen den Dünen Überreste von leichten und mittleren Flakstellungen erhalten geblieben sind.
Nach dem Krieg befand sich Bornholm an der Grenze zweier politischer Welten. Die Nähe zu den Staaten des Ostblocks verlieh der Insel grosse militärische und nachrichtendienstliche Bedeutung.
Eines der spannendsten Bauwerke aus dieser Zeit ist der Bornholmertårnet, ein Beobachtungsturm in der Region Dueodde. Seit den 1980er-Jahren wurde hier Funküberwachung betrieben. Heute dient der Turm als Museum und Bildungszentrum mit Aussichtsplattform.
Prähistorische Fundstätten, mittelalterliche Festungen und Kirchen, Fischereihäfen, Nachkriegsarchitektur und Anlagen aus der Zeit des Kalten Krieges ergeben auf Bornholm eine stimmige Gesamterzählung. Die Erkundung der Insel ist eine Reise durch die Epochen – zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto.
Heute ist Bornholm eine ruhige, gastfreundliche Insel, bestens auf Besucher eingestellt. Geschichte ist hier keine Last, sondern ein Vorteil – eine Einladung, einen Ort zu entdecken, an dem sich die Vergangenheit in der Landschaft lesen lässt und die Gegenwart harmonisch daraus hervorgeht.
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